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Alles ganz anders in der Weinlese 2016. Dieser Satz beschreibt ziemlich genau, wie Winzermeister Peter Göbel  http://www.weingut-Goebel.de bisher den Herbst an der Mosel http://www.mosel.de/startseite erlebt hat. In dem schönen Ort Ediger-Eller, rund 20 Kilometer von Cochem entfernt, betreibt er ein Weingut mit 3 Hektar Rebfläche. Bei ihm begann die Weinlese bereits um den 20. September herum. In der kommenden Woche geht sie in seinen Weinbergen zu Ende. Und seine Erträge sind gering. Weinbegleiter Ruhr im Gespräch mit Peter Göbel:

Weinbegleiter Ruhr: Wie groß sind die Verluste?
Peter Göbel: Ich habe durchschnittlich nur ein Drittel der Ernte, die maximal möglich wäre.

Was bedeutet das in Zahlen ausgedrückt?
Ich habe 3 Hektar Weinberge, also 30.000 Quadratmeter. Ich darf 35.000 Liter Wein erzeugen, das ist im Weingesetz für unsere Region so festgelegt. Weil wir Qualität anstreben und Selbstvermarkter sind, beschränke ich mich von vornherein auf 25.000 Liter. Aber schon in den vergangenen zwei Jahren haben wir keine 20.000 Liter erreicht. Und in diesem Jahr ist es ganz schlimm, da liegen wir bei nur 12.000 Litern.

Der Riesling ist die wichtigste Rebsorte an der Mosel.

Weinlese: Der Riesling ist die wichtigste Rebsorte an der Mosel.

Was sind die Ursachen dafür?
Zum einen die Wetterkapriolen im Juli mit extrem hohen Niederschlägen und Wärme, das war fast tropisch. Dadurch breitete sich die Pilzkrankheit Peronospora stark aus, die viele Trauben zerstörte. So entstand die eine Hälfte des Schadens. Die andere Hälfte Verlust geht auf den sehr trockenen August und September zurück. Durch extrem hohe UV-Belastung mit Temperaturen bis 37 Grad wurden viele Trauben zerstört. Trockenheit sind wir ja gewohnt, aber es kam gar kein Regen. Die Riesling-Trauben sind sehr klein.

In anderen Weinbergen bzw. Regionen an der Mosel ist es nicht so? Warum?
Gegen Pilzkrankheiten werden Fungizide gespritzt. In den Steillagen mit Hubschrauber, in den Flachlagen machen das die Winzer mit Schmalspurschlepper selbst. Normalerweise wird alle 12 Tage gespritzt, in diesem Jahr haben nicht mal alle 6 bis 8 Tage gereicht. Wir hätten alle 5 Tage spritzen gehen müssen. Die Menge der eingesetzten Spritzmittel ist festgelegt und der erlaubte Rahmen hätte ausgereicht, wenn wir die richtigen, genauen Tage erwischt hätten.

Wie wirkt sich diese Weinlese aufs Geschäft aus?
Wir leben ja nicht von einem Jahrgang allein, sondern von den letzten 2 Jahrgängen, die waren aber auch geringer. Es wird sehr knapp werden, ich muss Trauben dazu kaufen von Kollegen. Aber die Kundschaft muss sich nicht sorgen.

Wird es spürbare Preiserhöhungen geben?
Das würde ich gerne machen. Ich werde die Preise moderat um 5 Prozent anpassen. Was die Situation entschärft: Moselbetriebe vermieten traditionell Ferienhäuser und Gästezimmer an Touristen. Unser Gästehaus ist beliebt und sehr gut ausgelastet. Das hat uns gerettet.

Vergeht Ihnen als Winzer in einer solchen Situation der Spaß am Beruf?
Nein, auf keinen Fall. Das ist zwar tragisch, aber wir leben ja mit der Natur, wir kennen solche Einschläge. Natürlich nicht in dieser Dimension.

http://weingut-goebel.de/

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