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Einmal Messwein probieren… Das erlaube ich mir in der Adventszeit für den „Wein des Monats“ Dezember und suche dafür einen besinnlichen Ort im Bistum Essen auf – das Essener Münster am Burgplatz. Das ganz irdische Weinrecht ist zwar inzwischen so streng und ausgefeilt, dass es in der katholischen Kirche keine spezielle Verordnung mehr für Messwein geben muss. Jedoch: Was hat es mit einem solchen Tropfen auf sich, der in der Eucharistiefeier der katholischen Kirche zum Blut Christi wird? Ich treffe mich mit Domkapitular Dr. Michael Dörnemann in der Sakristei des Doms. Und da halten wir uns nicht mit so wundersamen Dingen auf, Wasser in Wein zu verwandeln….

Weinbegleiter Ruhr: Welcher Wein kommt bei der Heiligen Messe im Dom in den Kelch?
Michael Dörnemann: Derzeit verwenden wir im Dom hauptsächlich einen 2015er Riesling Classic. Einen Qualitätswein, der auch besonders als Messwein etikettiert ist. Er stammt von der Mosel vom Weingut Weinschröterhof der Familie Bollig. Wir haben uns für den Riesling entschieden, weil er mit 11,5 Volumenprozent (%Vol.) einen nicht so hohen Alkoholgehalt hat.
Wir haben noch einen zweiten Wein, einen spanischen Likörwein.

…..hui, mit 15 Volumenprozent Alkohol….
Michael Dörnemann: Also zur Messe morgens um 7 Uhr geht das gar nicht. Wobei man sagen muss, es ist ja immer nur ein symbolischer Schluck, den der Priester trinkt.

Platz für Messwein ist in der kleinsten Hütte…

Darf ich den Riesling hier in der Sakristei rein aus Neugier und Interesse probieren oder verstößt das gegen sakrale Regeln?
Michael Dörnemann: Können Sie.

Zunächst ein eher verhaltenes, zartes Bukett, Zitrusnoten dominieren. Im Mund fühlt er sich nicht so leicht an wie der Alkoholgehalt vermuten lässt. Er steht einfach zu warm in der Sakristei, Alkohol und Säure sind dadurch eher dominant. Richtig gekühlt, bekäme ich jetzt einen ganz anderen Eindruck. Sie stellen die offenen Flaschen sehr salopp in der kleinen Abstellkammer hier ab…

Michael Dörnemann:  Der Rest wird natürlich entsprechend kühl im Keller gelagert.

Wie viele Flaschen lagern da im Keller?
Michael Dörnemann:  Das kann ich nicht genau sagen. Wir werden zwei Mal im Jahr mit bis zu 200 Flaschen beliefert.

Seit wann beziehen Sie den Messwein von der Mosel?
Michael Dörnemann:  Das Domkapitel hat schon seit über 50 Jahren Beziehungen zu diesem Weingut.
Die Pfarreien im Bistum können bei der Wahl der Winzer und Weingüter frei wählen. Einige beziehen ihren Messwein zum Beispiel von den Bischöflichen Weingütern in Trier.

Wer kümmert sich hier im Dom um den Wein, die Bestellung und Lieferung?
Michael Dörnemann:
Die Sakristane (Küster) in Absprache mit dem Dompropst und mit mir. Und in den Pfarreien ist es in der Regel so, dass die Pfarrer den Messwein bestellen.

Wird nur Weißwein gereicht oder auch Rotwein?
Michael Dörnemann:
Einige Pfarrer verwenden Rotwein, weil sie das symbolträchtiger finden. Nach katholischem Glauben wird ja der Wein in das Blut Christi gewandelt. Also es ist die Gegenwart Christi im Wein. Nun  muss man wissen: Der Kelch wird nach dem Gebrauch mit einem weißen Tuch ausgewischt. Rotwein ist da eher schwierig. Küster, die dann die Kelchwäsche machen müssen, fluchen dann schon mal…

Der derzeitige Messwein im Dom. Rechts auf dem Etikett ist der Urgroßvater vom derzeitigen Winzer Thomas Bollig zu sehen. Die Wurzeln des Familienweingutes reichen bis 1665 zurück.

Muss der Messwein aus dem deutschsprachigen Raum sein?
Michael Dörnemann: Nicht unbedingt. Andere Weine, zum Beispiel aus Italien oder Spanien, müssen dann eben im Qualitätszeugnis als naturbelassene Messweine ausgezeichnet sein.

In erster Linie trinkt der Priester aus dem Kelch. Dass alle Gottesdienst-Besucher daran teilhaben, ist eher die Ausnahme?
Michael Dörnemann: Ja, nur an besonderen Tagen, zum Beispiel Gründonnerstag oder in der Osternacht. Das kommt aus der Tradition der katholischen Kirche, dass nur der Priester den Wein trinkt. Seit dem 2. Vatikanischen Konzil ist die Öffnung gerade bei Gruppenmessen, also bei kleineren Gottesdienstgemeinden, so, dass immer alle aus dem Kelch trinken können. Aber bei normalen Gemeindegottesdiensten, wo 100 bis 200 Menschen da sind, ist das oft schwierig.

Und die Gottesdienstbesucher beschränken sich wirklich auf den Probierschluck?
Michael Dörnemann: Genau. Es gibt dann bei den besonderen Gottesdiensten eine gewisse Zurückhaltung. Das heißt, es gibt Menschen, die dann gar nicht zum Kelch gehen, sondern mit der Brotgestalt, wie sonst auch, vorlieb nehmen. Das hängt damit zusammen, dass es bis vor 40 bis 50 Jahren in der katholischen Kirche gar nicht üblich war, dass die Gläubigen aus dem Kelch tranken.

Wieso?
Michael Dörnemann: Das hat einen geschichtlichen Grund: Sicher war es in der frühen Kirche so, dass beim Gedächtnis des letzten Abendmahles alle Teilnehmer aus dem Kelch tranken. Im Laufe des Mittelalters wurde dies aus Ehrfurchtsgründen auf den Priester reduziert. Auch weil man fürchtete, dass Wein verschüttet wird  – in einer Situation, in der bei der Kommunion mit dem Wein ja auch die Gegenwart Christi verbunden wurde. Das ist dann so hoch stilisiert worden, dass 1415 beim Konzil von Konstanz Jan Hus (tschechischer Reformator), der vehement für den sogenannten Laienkelch eingetreten ist, der Häresie (Abweichung vom offiziell gelehrten Glauben/Ketzerei) verurteilt und verbrannt wurde. Nicht nur deshalb, aber das war auch ein Grund. Die Reformatoren des 16. Jahrhunderts, Luther vor allem, führten den Laienkelch für alle ein.

In der katholischen Kirche, im Zuge des 2. Vatikanischen Konzils, wurde die Aufforderung Jesu – „trinket alle daraus“ –  übernommen, so dass es eben in kleineren Gemeinden auch zur Kelchkommunion gekommen ist. Aber das hatte wie gesagt eine lange Geschichte und der sogenannte Laienkelch war im Mittelalter verboten.

Kommen wir zurück zum weltlichen Teil, mögen Sie privat Wein?
Michael Dörnemann:  Ja.

Welchen trinken Sie gerne?
Michael Dörnemann: Rot- und Weißwein, das ist sehr unterschiedlich.  Aus dem Elsass, durchaus auch mal einen Muscat d’Alsace. Bei den österreichischen Weinen sowohl den Grünen Veltliner in allen Abstufungen, als auch Riesling Zweigelt, Blaufränkisch. Und italienische Rotweine –eher als spanische. Auch schon mal gerne einen Bordeaux.

Bei welchen Gelegenheiten trinken Sie Wein?
Michael Dörnemann: Zu einem guten Essen, wenn ich eingeladen bin mit Freunden. Im Urlaub auch schon mal auf der Terrasse abends.

Genuss ist dann hoffentlich außerirdisch schön!

 

 

Messweinverordnung
„Im Kirchlichen Amtsblatt für das Bistum Essen von September 2014 heißt es: Die Kirche ist seit jeher bestrebt, für die Feier der Eucharistie Brot und Wein in einer Qualität zu verwenden, die der Heiligkeit dieses Sakramentes angemessen ist. Die Grundordnung des Römischen Messbuches hebt…. hervor: ‚Der Wein für die Eucharistiefeier muss vom Gewächs des Weinstockes (vgl. Lk 22,18) stammen und naturrein und unvermischt sein, das heißt ohne Beimischung von Fremdstoffen‘. Aus diesem Grund hatten die deutschen Bischöfe im Jahre 1976 vor dem Hintergrund des damaligen Lebensmittelrechts die ‚Verordnung über den Gebrauch von Wein bei der Eucharistiefeier (Messwein)‘. Da inzwischen das weltliche Recht die Reinheit des Weines strikt normiert und die Beimischung von Fremdstoffen weitestgehend verbietet, ist die besagte kirchliche Verordnung hinfällig und wird hiermit aufgehoben. Einer Approbation einzelner Messweinlieferanten bedarf es daher künftig nicht mehr. Die Priester haben weiterhin gewissenhaft dafür Sorge zu tragen, dass bei der Feier der Eucharistie ein Wein verwendet wird, der mindestens den Anforderungen eines Qualitätsweines (nach deutschem Weinrecht) genügt…“

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