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Herzlich, gesellig, menschenfreundlich: Dass Rolf Fliß Wein mag, gerne einen Grauburgunder vom Kaiserstuhl aus Süddeutschland, liegt da eigentlich auf der Hand. Der Grüne, Mitglied im Rat der Stadt Essen sowie in vielen Ausschüssen und Gremien, bezeichnet sich selbst als „Mann für Projekte“. Für den Wein des Monats Februar 2018 zieht er den Korken – und verrät dabei auch, warum er gerne mal ein Gläschen mit Papst Franziskus und dem Dalai Lama trinken würde.

Weinbegleiter Ruhr: Haben Sie einen Lieblingswein? Wenn ja, welchen? Wie heißt er, woher stammt er?
Rolf Fliß
: Ja, habe ich. Es ist ein Kaiserstühler aus Bahlingen und aus Bötzingen. Grauburgunder ist immer schön.

Wann und bei welcher Gelegenheit haben Sie diesen Wein für sich entdeckt?
Rolf Fliß: Entdeckt hatte ich ihn erstmals bei den Demos gegen den Bau eines Atomkraftwerkes bei Wiehl am Kaiserstuhl in den 70er Jahren, wo Winzer, Bauern, Junge und Alte mit Traktoren, Kinderwagen und Mistkarren gegen den atomaren und gefährlichen Wahnsinn der baden-württembergischen Regierung von Ministerpräsident Hans-Karl Filbinger auf die Straße gegangen sind und ich meine erste Erfahrungen als Umweltschützer und angehender Grüner mit der Staatsmacht sammeln konnte! Alle waren gemeinsam unterwegs, um dieses Atomkraftwerk zu verhindern. Es glich mehr einem Volksfest als einer Demonstration, aber die Entschlossenheit, mit der die Winzer gegen dieses AKW in ihrer Nachbarschaft vorgegangen sind, hat mir imponiert. Und dabei gab es natürlich immer nach erfolgreicher Demonstration eine Gelegenheit, auf das Erreichte anzustoßen. Das war die erste Begegnung mit meinem Bötzinger Wein.
Wiederentdeckt habe ich ihn vor nicht zu langer Zeit durch Sohn und Patenkind, die beide in Freiburg studier(t)en.

Vom Kaiserstuhl in Baden kommen die Lieblingsgrauburgunder von Rolf Fliß.

Warum ist das Ihr Lieblingswein?
Rolf Fliß: Mir mundet er besonders, weil er viel Sonne gesehen hat, perfekt zum Essen UND danach passt. UND weil er fruchtig und nicht zu herb ist. Aber ich lege Wert auf die richtige Kühlung beim Servieren!

Bei welchen Gelegenheiten trinken Sie gerne Wein?
Rolf Fliß: 
Ach, eigentlich immer (lacht schallend….) Das können Familienfeste sein oder der gemütliche Abend zu Zweit. Oder an einem lauen Sommerabend draußen auf der Terrasse. Und warum soll man nicht auch im Biergarten Wein trinken?!

Was halten Sie als Grüner von Bio-Weinen? Liegt es nahe, dass sie diese Weine bevorzugt trinken?
Rolf Fliß: 
Ich trinke beide Weine gerne, und bin schon an gute und weniger gute Bioweine geraten.Letztendlich ist die Lage entscheidend. Und: Hat der Wein viel Sonne bekommen, kümmert sich der Winzer ausreichend um seine Rebstöcke und Weine?

Und oft schmecken Weine in ihrer beheimateten Region anders als zuhause. Wie oft habe ich mir aus den Ferien Weine mitgebracht, um dann zum Beispiel  die Erinnerung an die Provence wieder aufleben zu lassen. Und stellte fest: Der Wein schmeckt zuhause in anderer Umgebung anders.

Weil Stimmung, Atmosphäre und Licht dann einfach ganz anders sind….
Rolf Fliß:…exakt. Aber beim Grauburgunder passt es. Da habe ich auch zuhause das Gefühl, dass ich im Breisgau sitze.

Mit welchem besonderen Menschen oder welcher Person der Zeitgeschichte würden Sie gerne mal ein Gläschen Wein trinken?
Rolf Fliß: 
Es fallen mir zwei ein. Ich würde mich gerne mal mit dem Dalai Lama auseinandersetzen oder mit unserem wunderbaren, sehr bescheidenen, bodenständigen Papst. Mich begeistert bei beiden Personen, dass Sie sehr bürgerlich sind. Die wollen wir nicht in den Himmel wachsen lassen. Was ihre Bescheidenheit angeht, ihre Dankbarkeit und ihren sozialen Impetus, sind sie für mich auf jeden Fall Vorbilder.

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