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Süßwein kommt beim „Wein des Monats“ im Juni endlich ganz groß raus. Zu verdanken habe ich das zu meinem großen Vergnügen Marita und Remo Bodo Tietz. Der Profi-Fotograf, mein  früherer NRZ-Kollege und inzwischen selbstständiger Unternehmer mit Bild my Dog, und seine Frau Marita befürworten ganz entschieden edelsüße Köstlichkeiten. Das Paar geht sehr bewusst mit Alkohol um, weil „wir viel mit dem Auto unterwegs sind, beruflich als auch privat. Und wir wissen die 0,0 Promille-Grenze zu würdigen“, sagt Marita. Aber wenn das Paar schwelgt…

Remo Bodo Tietz: …dann muss der Wein süß sein.

Marita Tietz: Nein, er muss uns schmecken.

Remo: Genau.

Marita: Wir sind also out off jedweder Mode, wir schwimmen, sehr wahrscheinlich auch bewusst, gegen den Trend. Weil wir sagen: Er muss uns schmecken, weil wir ihn ja für uns kaufen.

Weinbegleiter Ruhr: Gibt es einen Süßwein, den ihr besonders mögt?

Marita:  In dem Sinne nicht. Wir gehören zu den Menschen, die in Deutschland und angrenzenden Ländern Urlaub machen und dort immer mal wieder – interessanterweise als überwiegende Nichtalkoholiker – zu Weinbauern fahren. Um dort an Weinproben teilzunehmen, aber zielsicher halt lieblichen und süßen Wein zu kaufen.

Was schätzt ihr besonders an lieblichen und süßen Weinen?

Remo: Ich kann das gar nicht begründen, das hat noch nicht mal was mit dem Restzucker zu tun. Süße Weine schmecken viel fruchtiger als trockene, finde ich. Die haben ein größeres Bukett, viel mehr Aroma und sind vollmundig. Wenn ich einen trockenen Wein trinke, habe ich immer den Eindruck, meine Geschmacksnerven ziehen sich zusammen.

Als wenn du in eine Zitrone beißt?

Remo: Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber so ähnlich. Ja.

Was muss einen Wein auszeichnen, damit ihr sagt: Toll!

Marita: Der muss spontan gut schmecken. Wir hatten letztens sehr leckeren Wein aus Schlingen gehabt, aus dem Breisgau. Waren dort in einer Winzergenossenschaft und haben uns mitten am Tag quer durch sämtliche liebliche Weine probiert.

Remo: Ich habe mich zurückgehalten, ich musste ja fahren.

Marita: Und haben dann 12 Flaschen mitgenommen, die unterschiedlichsten Sorten. Davon trinken wir heute noch. Also je nachdem, wo wir gerade sind, da kaufen wir.

Und dann wurde er geöffnet, der köstliche Eiswein aus Baden.

Ihr seid also neugierig und bereit, etwas Neues auszuprobieren?

Marita: Immer.

Remo: Und ich folge ganz oft auch Empfehlungen. Wenn ich bei einem Winzer oder in einem Laden höre ,Mit süßem Wein kann ich nicht  dienen‘, dann gehen wir auch. Ich muss keinen trockenen Wein probieren, das will ich nicht. Vielleicht nippe ich mal aus Höflichkeit, aber wir kommen da nicht ins Geschäft.

Steht ihr bei Weinproben als „Süße Fraktion“ allein da?

Remo: Ja. Wir nahmen zum Beispiel einmal an der Mosel an einer Weinprobe teil und haben uns dann getraut, den Winzer zu fragen, ob es denn auch ein paar süße Weine gibt. Daraufhin schmunzelte er und war total begeistert und sagte: ,Endlich mal jemand, der zugibt, dass er süße Weine mag‘. Er sagte, es sei so ein Trend, dass alle trockenen Wein trinken, weil es Mode ist und so erwartet wird.

Dabei, das ist auch meine Erfahrung,  mögen viele Menschen Weine mit einem gut eingebundenen Restzucker.

Remo: Genau. Und die trauen sich nicht, es zu sagen, weil es gegen den Strom ist.

Ist das ist der Grund?

Remo: Ich glaube ja. Wein wird immer mit einer gewissen Lebensart verbunden. Und die Lebensart wird den Leuten vermittelt. Durch Werbung und Mainstream. Immer trocken, trocken, trocken. Und wenn ich einen trockenen Wein trinke, dann schüttelt’s mich.

Wie reagieren andere Menschen auf euch Liebhaber von süßen Weinen?

Marita: Negativ (und lacht dabei)

Remo: Na ja, negativ….

Marita: Doch, doch. Ich war schon mal bei einer Weinprobe in Essen mit meiner Tennismannschaft und es wurde vorher abgefragt, welcher Wein gewünscht wird. Ich war die Einzige, die sich getraut hat zu sagen, lieblich, aber es wurde den ganzen Abend nur trocken gereicht. Und ich war die Einzige, die anschließend nüchtern aus einer Weinprobe gegangen ist. Alle haben gekauft, ich habe gelästert. Ich wurde belächelt, nach dem Motto: Wie kann man… Da sagte ich: Entschuldigung, ich glaube, über Geschmack lässt sich nicht streiten. Und ich stehe dazu. Und wenn ihr so ignorant seid und meine Meinung nicht toleriert, tut es mir leid. Aber es ist tatsächlich so: Man wird belächelt. Es ist verpönt.

Remo: Aber da stehen wir über den Dingen.

Marita: Man muss auch noch sagen: Dadurch, dass wir wenig Wein trinken, ist uns bewusst, dass die Arbeit eines Winzers handwerkliche Qualitätsleistung ist. Wir sind also bereit, für eine Flasche lieblichen Wein deutlich mehr zu bezahlen als jemand, der auf der Mainstream-Welle schwimmt.

Euer Genuss ist euch also etwas wert.

Marita: Richtig. Wir kaufen auch schon mal nur eine Flasche Süßwein oder zwei, die wir dann zu besonderen Anlässen – runder Geburtstag, Weihnachten kredenzen.

Remo: Aber grundsätzlich gibt es keinen Anlass, zu dem wir Süßwein trinken. Das sind eher spontane Entscheidungen

Was war bisher eure teuerste Flasche Wein?

Marita: Fast 20 Euro für 0,375 Liter. Aus Schlingen. Da hat Remo geschluckt und gesagt: Aber bitte nur eine.

Kommen wir zum Thema Rotwein….

Marita: … den lehnen wir kategorisch ab. Nutzen wir nur zum Kochen.

Warum?

Remo: Vielleicht ist das hiermit begründet: Ich habe mal als junger Erwachsener auf einer Fete Rotwein getrunken. Zuviel. Und hatte danach einen fürchterlich schweren Kopf. Und habe mir dann sagen lassen,  das hänge mir der Keltermethode zusammen. Aber letztendlich war es wohl die Menge, die nicht gestimmt hat…

Dann lieber ein köstliches Schlückchen Süßwein. Zum Wohl, liebe Marita, lieber Remo!

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