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Wie kommt jemand auf die Idee, ein Wein-Lexikon über „Populäre Wein Irrtümer“ zu schreiben?  Im Fall von Marcus Reckewitz http://www.reckewitz.de kreuzten sich zwei Dinge: Sein eigenes Interesse für Wein und alles Kulinarische und der Wunsch seines Verlegers, dem der Sinn nach einem lustigen Weinbuch stand. Und so erschien 2012 im Anaconda Verlag „Ein unterhaltsames Lexikon“, das etliche Auflagen später nicht an Reiz verloren hat.

Nebel lichten sich im Wein-Lexikon

„Es gibt unglaublich viel gute Wein-Literatur auf dem Markt“, weiß Marcus Reckewitz. „Meinst von Autoren, die sich jeden Tag mit Wein beschäftigen.“ Aber darunter seien auch Fachidioten, „denen es nur selten gelingt, sich in den Erlebnishorizont des Lesers hineinzuversetzen“.

Marcus Reckewitz

Marcus Reckewitz

Marcus Reckewitz, von Beruf  Autor, Lektor, Ghostwriter Werbe-und PR-Texter sowie  Autor einer Ratgeber-Reihe unter dem Pseudonym Marc Laban, machte sich frisch fröhlich ans Werk – „…damit sich die Nebel aus Halbwahrheiten, Mythen und populären Irrtümern lichten. Damit Ihre Sinne frei werden für einen ungetrübten einfachen Weingenuss“, lädt er Leser ein.

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Das kleine, feine Wein-Lexikon.

Marcus Reckewitz sagt über sich: „Ich bin seit 25 Jahren Weinamateur“, womit er wohl sein Licht unter den Scheffel stellt…. „Ich bin also meine eigene Zielgruppe.“ Mit dem Buch will er Hemmschwellen senken, eigene, die seiner Freunde und anderer Menschen. „Viele haben eine völlig falsche Hochachtung vor Wein.“ Er selbst war als Student Biertrinker. Als er Mitte der 90er Jahre zum ersten Mal einen Weinfachhandel betrat, nahm ihn die Händlerin, eine Französin, an die Hand. Er probierte einen Château Palmer (Margaux), „das war wie ein Erweckungserlebnis“, erinnert er sich. Und dann wollte er es wissen: „Was steckt hinter diesem ganzen blasierten Gerede über Wein?“ Wein sei eine alte Kulturtradition, „jenseits der Schaumschlägerei muss es noch was geben“, war er sich sicher.

Blumenkinder im Weinberg

Und wie: So lässt er sich über Sinn und Unsinn des Dekantierens aus, über Geschmacksmoden, die Verwendung von Holzchips, greift Wein-Kuriositäten auf wie „Laufen und Saufen im Médoc“, erzählt, wie der „Kultwein Opus One“ entstand, wie die Chinesen mit Strom Wein zur „Turbo-Reifung“ bringen, berichtet, was es mit den „Blumenkindern unter den Winzern“ auf sich hat, die im Weinberg Rosen pflanzen als „Frühwarnsystem“ gegen Mehltau. Auch beim Stichwort Schwefel fällt ihm etwas ein: „Da wird immer so ein Tanz drum gemacht. Dabei ist Schwefel ein natürliches Abbauprodukt bei der alkoholischen Gärung. Einen schwefelfreien Wein gibt es nicht“, stellt der in Bonn lebende Autor klar. Und am Korkschmecker kommt er nicht vorbei. „Auch in Flaschen mit Kuststoffkorken, Dreh und Glasverschlüssen kann ein Korkschmecker vorkommen“, schreibt Reckewitz. „Das Problem, also Trichloranisol (TCA), muss nicht unbedingt über den Korken in den Wein gelangen. Dieselbe Reaktion zwischen Schimmelpilzen und Chlorverbindungen kann auch ganz woanders stattfinden – zum Beispiel im Gebälk der Weinkeller oder in dort gelagerten Holzpaletten…. Auch ehemals verwendete chlorhaltige Holzfassbehandlungsmittel können zur TCA-Quelle werden – und Weine kontaminieren, die nebenan im Stahltank heranreifen.“

„Sonne im Glas“

Mit Witz, entspannt und spielerisch, ohne erhobenen Zeigefinger,  ist Marcus Reckwitz  in der Welt der Weine unterwegs. Es macht einfach Spaß, sein Buch zu lesen. Die Liebe zu Bordeaux-Weinen ist geblieben, Sauvignon Blanc zählt außerdem derzeit zu seinen Favoriten. Und Lugana, um den in diesem Jahr ein Hype gemacht werde. Hier schwärmt er für einen „Ottella“, einen „fröhlichen Sommerwein. Das ist Sonne im Glas.“

Fotos Marcus Reckewitz (2), Susanne Storck (1)

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