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Manfred Burkowski will möglichst viele Menschen glücklich machen. Mit Lebensmitteln. Schließlich ist er Inhaber von vier Edeka-Märkten. Masse und Qualität schließen sich für den neuen Chef des Essener Handelsverbandes nicht aus. Er zieht den Korken für den Wein des Monats November – mit einer Flasche aus dem Supermarkt. Laut Deutschem Weininstitut (DWI) gingen 2016 deutschlandweit in klassischen Supermärkten 18 Prozent aller gekauften Weine über den Ladentisch. Tendenz steigend.
Manfred Burkowski schwärmt bei seiner Empfehlung in südliche Gefilde aus, nach Valdepenas in der Hochebene von La Mancha. Dort liegt Spaniens größtes Weinanbaugebiet – im Land mit der größten Weinanbaufläche der Welt. Passt ja.
Der Edeka-Mann Manfred Burkowski  ist mit Leib und Seele Kaufmann und Unternehmer. Und noch dazu ein unterhaltsamer, wortgewandter Gesprächspartner mit Witz. Ganz klar, dass es in diesem Interview nicht nur um den Wein des Monats geht.

Weinbegleiter Ruhr: Herr Burkowski, wie heißt Ihr Lieblingswein?
Manfred Burkowski: Es ist der „Los Molinos“ von Felix Solis, eine Gran Reserva, Jahrgang 2009. Seit er vor 3 Jahren in einem Fernsehspot von Edeka gezeigt wurde, hat der Wein bei unseren Kunden unheimlich an Bekanntheit und Beliebtheit gewonnen. Und ist bis heute einer der beliebtesten Rotweine in dieser Preisklasse. Er kostet 4,99 Euro.

Seit wann haben Sie ihn im Sortiment?
Manfred Burkowski: Seit etwa 6 Jahren. Und lief von Anfang an gut. Das ist immer dann der Fall, wenn man es schafft, die Jahrgänge auf einem gewissen Level zu halten und die Jahrgangsunterschiede nicht so groß sind. Denn wenn jemand einen solchen Wein mag, ihn regelmäßig kauft und er schmeckt in einem Jahr plötzlich ganz anders, dann ist das problematisch. Zumindest bei einem Massenwein. Bei hochwertigeren Weinen ist das natürlich anders, da kann es große Jahrgangsunterschiede geben. Aber massenkompatibel ist ja das, was – in Anführungsstrichen – immer gleich schmeckt. Und der Los Molinos ist ein Wein, der, wie ich finde, über ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis verfügt.

Weine im Edeka-Markt von Manfred Burkowski an der Altendorfer Straße in Essen.

Wer entscheidet, ob dieser Wein im Supermarktregal landet oder nicht?
Manfred Burkowski: Dieser Wein ist aus dem Edeka-Programm. Edeka muss für alle Geschäfte, es sind 4800 in Deutschland, die Weine einkaufen. Also solche, die in einer gewissen Menge produziert werden und am Markt vorhanden sind. Und das ist ja immer wieder das große Problem. Einen Massenwein, in guter Qualität und ausreichender Menge zur Verfügung stellen zu können.
Normalerweise gehören meine Lieblingsweine nicht unbedingt in dieses Segment. Das kann ich anders machen. Wenn mir einer sagt: Ich habe von diesem Wein 10 000 Flaschen und ich brauche nur 500, dann geht das in Ordnung. Aber beim Los Molinos finde ich faszinierend: Er ist ein Wein, der über Jahre in einer hervorragenden Qualität geboten wird.

Was beeindruckt Sie an diesem Wein, einem reinen Tempranillo, besonders?
Manfred Burkowski: Wie soll ich das mit Worten formulieren….Ich trinke gerne Rotwein, mag jedoch keine, die wahnsinnig stark und kräftig sind. Und hier habe ich ein gutes ausgewogenes Verhältnis, angenehm im Geschmack, fruchtige Aromen, nicht zu schwer. Bei unseren Kunden kommt er sehr gut an. Es hat noch nie jemand gesagt:  Mit schmeckt der nicht. Wir haben noch einen zweiten Spanier, der sehr beliebt ist, von Luis Canas. Der kostet 9,99 Euro und er bekam in einem Jahr Punkte von Weinkritiker Robert Parker.

Spielen Bewertungen und Auszeichnungen in Ihren Märkten eine große Rolle?
Manfred Burkowski: Man muss fairerweise sagen: Sie sind umheimlich verkaufsfördernd. Im Weinfachgeschäft ist das nicht so. Da gibt Ihnen der Fachmann Empfehlungen mit auf den Weg. Bei uns im Supermarkt gehen die Kunden direkt ans Regal und suchen selbst aus. Da ist das eine gute Orientierungshilfe. Den Luis Canas haben wir ausgezeichnet verkauft. Man kann von Parker-Punkten halten, was man will: In dem Fall  war die Einschätzung gut. Allerdings schaffte es dieser Wein nicht, in den folgenden Jahrgängen eine konstante Qualität zu halten.
Jetzt kann man fragen: Was ist eine konstante Qualität? Wann ist ein Rotwein gut und wann nicht? In Deutschland haben wir ein paar tausend Weinfachleute. Die können Ihnen genau sagen, was es für ein Wein ist, wie er schmeckt, was ihn auszeichnet. Das sind andere Menschen. Bei uns geht es um den Normalverbraucher, der wünscht eben eine gleichbleibende Qualität und Stilistik.

Wie groß ist das Weinsortiment in Ihren Märkten?
Manfred Burkowski: Wir haben derzeit 4 Märkte, 3 in Essen und einen in Bochum. Der fünfte im neuen „Quartier West“ im Kruppgürtel in Essen kommt im Januar 2018 dazu. In zwei der Essener Märkte werden es ein paar hundert Weine sein, in Bochum haben wir 2000 verschiedene Weine. Ich würde sagen, das ist eines der größten Weinsortimente in NRW. Ich kenne kaum jemanden, der mehr hat. Es ist dabei nicht unbedingt die Menge ausschlaggebend, sondern die Auswahl, die Qualität, das Zusammenstellen des Sortiments.

Neuer Edeka-Markt am Kruppgürtel

Wer macht das bei Ihnen, ein Sommelier?
Manfred Burkowski: Ja, in Bochum. Der geht zum 30.11. leider in den wohlverdienten Ruhestand. Wir haben schon einen Nachfolger eingestellt. Der wird den Markt in Bochum betreuen und den neuen Markt am Kruppgürtel. Ein Mann, der seit 20 Jahren Weine verkauft. Am Kruppgürtel werden wir zwischen 1200 und 1500 verschieden Weine anbieten. Sie müssen nicht den 25. Rotwein haben, der genauso schmeckt wie die anderen 24. Sie müssen vielmehr eine gute, vernünftige Qualität repräsentieren. Sowohl der Massenkunde will gut bedient werden, der einfach einen preiswerten Weißwein oder Rosé für die Terrasse haben möchte für 2 Euro oder vielleicht auch mal für 4. Als auch der Kunde, der ein bisschen mehr für einen Wein ausgibt.

Überlassen Sie die Auswahl der Weine völlig Ihrem Experten oder reden Sie ein Wörtchen mit?
Manfred Burkowski: Ich bestimme schon ein bisschen mit. Sie können mich jetzt nicht als Weinexperten bezeichnen. Da würde mich mein eigener Weinfachberater so was von in die Tasche stecken. Aber das ist auch das Schöne: Ich bin dann der klassische Verbraucher. Ich glänze nicht mit Fachwissen, sondern ich glänze, indem ich Weine probiere und austeste. Ich überlege zum Beispiel, zu welchen Speisen passt genau dieser Wein? Und könnte er vielen Menschen Spaß bereiten? Ich gebe ein, zwei Freunden, die Weinliebhaber sind, schon mal ein Fläschchen mit oder wir trinken gemeinsam eins. In der Regel haben wir einen ähnlichen Geschmack. Wenn wir ihn alle 3 gut finden, wissen wir, dass er auch bei den Kunden gut ankommt.

Der Sau Gute Stoff.

Aber Sie haben auch schon gehadert…
Manfred Burkowski: Da ist zum Beispiel der Weißwein „Sau Guter Stoff“. (Ein Blanc de Noirs aus Baden). Diesen Namen für einen Weißwein fand ich erst nicht so gut. Das hörte sich für mich ein bisschen nach Mallorca-Feeling an. Bis ich ihn probierte… Er ist für mich einer der besten Weißweine in der Preisklasse unter 10 Euro. Schön gekühlt auf der Terrasse genießen, dazu ein Salat, ist das einfach die perfekte Begleitung.

Was ist für Sie persönlich ein guter Wein?
Manfred Burkowski: Fangen wir mit Weißwein an. Weinliebhaber in dem Sinne bin ich nicht bei Weißwein. Den trinke ich, wenn er gut zum Essen passt. Oder wenn es sehr warm ist und ich ihn schön kühl genießen kann. Bei Weißen kommt es bei mir auf die Verträglichkeit an. Natürlich braucht ein Wein Säure, sonst wirkt er flach, zu lieb. Das schmeckt nicht. Aber wenn er zu viel Säure hat, ist der für mich nicht verträglich.
Wenn es auf den Herbst zugeht, freue ich mich. Da trinke ich sehr, sehr gerne Rotwein. Spanische und Italienische Rotweine mag ich sehr, französische nicht so.
Jedoch bin ich da nicht starr festgelegt. Egal, wo der Wein herkommt: Entscheidend ist, ob er mir ein angenehmes Geschmackserlebnis bereitet oder eben nicht. Ich brauche Vollmundigkeit. Manchmal dauert es bei einem Wein auch ein bisschen länger und ich probiere ihn ein zweites oder drittes Mal. Wein ist für mich immer noch etwas Besonderes im Leben, das muss man genießen.

Und, mal ehrlich, wir sind hier im Ruhrgebiet. Ich trinke auch gerne mal ein Bier.

Fröhliches Durchprobieren

Bei Ihnen zuhause gibt es einmal im Jahr eine Wein-Vernichtungsparty….
Manfred Burkowski: Es kommen dann so 10 bis 25 Leute. Wir probieren Weine, die ich zum Testen bekommen habe. Da stehen zuhause dann locker um die 50 bis 70 Flaschen. Ich frage meine Gäste: Welcher Wein überzeugt euch? Welchen findet ihr so gut, dass ich ihn einlisten sollte? Und welcher geht gar nicht? Im Google-Zeitalter ist es zwar nicht mehr schwer, den Peis und andere Infos herauszufinden, dennoch ist das Ergebnis interessant: In 50 Prozent der Beurteilungen wird der Preis richtig eingeschätzt. Wobei, das ist meine Einschätzung, ein Normalverbraucher, bei Weinen über 20 Euro den Unterschied gar nicht mehr so herausschmeckt.

Wie viele Flaschen werden da an einem Abend vernichtet?
Manfred Burkowski: Zwischen 40 und 50. Es wird fröhlich durchprobiert. Ich sage immer: Tut mir einen Gefallen, schüttet keinen Wein weg. Das wäre zu schade. Das passiert am Abend auch nur mit 2 Flaschen, die Proben haben überwiegend eine ordentliche Qualität. Zwei, drei Weine sind meistens dabei, die allen gut schmecken. Und wenn wir die nicht im Programm haben, dann nehme ich sie auf.

 

Zahlen und Fakten
„Der Weinkonsum in Deutschland blieb 2016 mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 20,6 Litern gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert. Die Verbraucher haben 2016 ihren Weinbedarf noch häufiger in den klassischen Supermärkten gedeckt. 18 Prozent aller Weine gingen dort über den Ladentisch…Insbesondere die deutschen Anbieter steigerten im vergangenen Jahr ihren Weinvertrieb über die Supermärkte…
Der Lebensmitteleinzelhandel inklusive der Discounter hat einen Anteil von 77 Prozent am gesamten Weineinkauf in Deutschland. Der Durchschnittspreis für Wein im LEH ist nach sieben Jahren 2016 erstmals um fünf Cent auf 2,92 €/l gesunken. Für Weine aus dem eigenen Land gaben die Verbraucher mit durchschnittlich 3,20 €/l im LEH zwar etwas mehr aus, allerdings drei Cent weniger als 2015.“

Quelle: Deutsches Weininstitut, Statistik zum Weinmarkt 2016

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