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Für den ersten „Wein des Monats“ im neuen Jahr trifft Weinbegleiter Ruhr den legendären Willi „Ente“ Lippens auf seiner „Lippens Ranch“ in Bottrop, ganz in der Nähe der B224. Der einstige Ausnahme-Fußballer von Rot-Weiss Essen, dem sein unverwechselbarer Laufstil zum Spitznamen verhalf, lebt hier in ländlicher Idylle und Besucher kehren gerne ein ins Restaurant „Ich danke Sie!“ Diese schlagfertige Antwort brachte Willi „Ente“ Lippens Mitte der 60er Jahre einen Platzverweis in Herne ein, als er die Verwarnung des Schiedsrichters „Herr Lippens, ich verwarne Ihnen!“ entsprechend konterte.
Auch wenn die alten Zeiten sehr präsent sind, geht es in diesem Gespräch um Wein.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt ihr Lieblingswein?

Willi Lippens: Das ist ein Sauvignon Blanc. Ein nicht ganz so anspruchsvoller Wein, aber mir schmeckt er. Wenn ich Weißwein trinke, dann Sauvignon Blanc. Damit habe ich in den Staaten angefangen, in Kalifornien. Die Geschmacksrichtung ist schon gut. Und bei Rotwein nehme ich einen Merlot. Das sind keine ausgefallenen Weine, sie sind nicht zu teuer. Ich trinke sowieso wenig Alkohol, das bekommt mir nicht besonders. Aber ich trinke ein Gläschen Wein zum Essen.

Woher stammt der Wein?
Beides sind französische Weine. (Südfrankreich Languedoc Roussillon). Die beziehe ich von einem Weinhändler in Neuss, der uns regelmäßig versorgt. Es wird bei uns im Restaurant nicht übermäßig viel Wein getrunken, eher Bier. Wir sind nun mal Ruhrgebiet, eine Bierecke. Aber ich muss sagen:  Das hat sich doch schon gewandelt. Es gibt inzwischen auch viele Weintrinker. Das ist nicht mehr nur eine Sache der Privilegierten.

Was reizt Sie am Merlot?
Der ist nicht zu herb und schlägt mir nicht auf den Magen. Ich bin da etwas empfindlich. Wenn der zu viel Säure hat, dann vertrage ich ihn nicht so gut. Beim Weißwein bekomme ich schnell Sodbrennen, da muss ich vorsichtig sein.

Zu welchem Essen mögen Sie Merlot besonders?
Zum Steak. Wenn ein Steak so richtig medium gebraten ist, dann ist alles gut. Dann kann man sich das gönnen.

Haben Sie in Ihrer aktiven Zeit als Fußballer auch mal ein Glas Wein getrunken?
Ja, wenn man Ruhe hatte. In der aktiven Zeit war das ja alles viel schnelllebiger. Man nahm sich nicht die Zeit, das alles zu genießen, wie es heute der Fall ist. Heute isst und trinkt man ja bewusster. Wenn man jung, mittendrin und viel unterwegs ist, dann genießt man das nicht so bewusst. Ich habe wenig Wein getrunken in dieser Zeit.

Passt auch nicht zusammen Alkohol und Sport – oder war das weniger ein Grund zu verzichten?

Ich meine, wir haben auch schon mal einen geballert, wenn es keiner mitbekommen hat. Da musst du natürlich vorsichtig sein, wenn du so in der Öffentlichkeit stehst. Zu meiner besten aktiven Zeit war es üblich, dass jeder eine Kellerbar hatte.

Feiern in der Kellerbar

Bei uns Spielern waren es, glaube ich, sieben Leute, die ein eigenes Häuschen mit Kellerbar hatten. Und dann ging das reihum. Da waren wir aus der Öffentlichkeit verschwunden und konnten  uns auch schon mal einen ballern oder ziehen, ohne, dass wir direkt aufgefallen sind. Das war eine gute Zeit mit den Privatkeller-Phasen. Das haben wir sehr genossen.

Haben Sie auch mit Helmut Rahn einen geballert?

Mit Helmut, ja. Wir sind ja 10 Jahre nach meiner aktiven Laufbahn noch zusammen durch ganz Deutschland gefahren zu den Uwe Seeler-Traditions-Mannschaften. Wir zwei und Hans Tilkowski waren die einzigen Spieler aus dem Westen, die so bekannt waren zur damaligen Zeit, dass wir eingeladen wurden und auch spielten. Egal, wo. Da waren wir 3 immer dabei. Da haben wir natürlich auch zusammen ein Gläschen getrunken. Das gehört ja dazu. Und wo wir über Wein reden: Ein Gläschen Wein hebt die Stimmung automatisch, und die, die sonst verklemmt sind, werden lockerer.

Hier geht's zur "Lippens Ranch".

Hier geht’s zur „Lippens Ranch“.

Ihr Sohn betreibt die Gaststätte inzwischen.

Das ist auch gut so. Wenn man im Rentenalter ist, sollt man sich da raushalten aus dem Tagesgeschäft. Das heißt nicht, dass ich nicht involviert bin. Ich gehe schon mal durch und begrüße die Leute. Die freuen sich.  Dann erzähle ich auch schon mal einen Schwank, wie es früher war und was man so erlebt hat. Es kommen auch Gäste von außerhalb. Wir haben ja 13 Fremdenzimmer, die sind ständig belegt. Von der Anbindung her sind wir zentral gelegen. Und die Scheinwelt ist vorhanden – dass man auf einem Hof wohnt, auf dem Land, mit dem Fachwerk. Die 3 Hektar hier sind ein Glücksfall gewesen, als ich die hier kaufen konnte. Das war 1978, bevor ich nach Amerika gegangen bin. Eingezogen sind wir aber erst 1981.

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