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Zum zweiten Vorrunden-Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-EM stellt Weinbegleiter Ruhr einen 2015er Riesling Alte Reben von der Mosel vor. Winzermeister Peter Göbel vom http://weingut-goebel.de aus Ediger-Eller ist damit ein Wein voller Überraschungen aus der Parade-Rebsorte der Mosel gelungen. Zeigt er sich schon im Glas in einem verheißungsvollen Goldgelb, besticht er in der Nase durch Aromen, die an reife gelbe Früchte wie Birnen und Pfirsiche erinnern. Am Gaumen hält er, was er verspricht – extraktreich, fruchtig, mit schönem Schmelz und einer gut gepufferten Säure. Mit jeder Minute werden die Aromen intensiver. Man möchte hineinkriechen ins Glas – mit der Nase. „Ist der noch trocken?“, fragt ein Freund beim Verkosten. Mit 9 g/l Restzucker und 7,2 g/l Säure gerade noch so.

Riesling aus „Alten Reben“

Die vollreifen Trauben für diesen Wein wurden erst Mitte Oktober im Ediger Elzhofberg gelesen. Das ist Steilstlage mit Terrassen und ohne Weganbindung. Und „Alte Reben“ bedeutet: In diesem Weinberg sind die wurzelechten Stöcke überwiegend 70 bis 80 Jahre alt. Sie belohnen den Knochenjob des Winzers mit einem zwar geringeren, aber alljährlich qualitativ hochwertigem Ertrag. Göbels zweite Steilstlage ist der Valwigger Herrenberg, wo übrigens auch Weinbegleiter Ruhr schon in der Lese, wie ein Hanghuhn stehend, geholfen hat.

„Da hat es klick gemacht“

Peter Göbel ist mit Leib und Seele Winzer in der ältesten Weinregion Deutschlands. Laut Deutschem Weininstitut (DWI) gibt es „nirgendwo auf der Welt mehr Steillagenweinberge“ als hier. „Viele Kollegen aus anderen Regionen würden mit uns nicht tauschen wollen“, sagt Peter Göbel lachend. „Aber niemand hat auch so viel Bindung wie wir hier“, meint der 48-Jährige.

Ediger-Eller im Riesling-Land.

Ediger-Eller an der Mosel.

1999 hat er das kleine Familienweingut seiner Eltern übernommen und bietet mit seiner Frau Jenny außerdem Ferienwohnungen an. An seinem Beruf gezweifelt hat er nie. Ein Schlüsselerlebnis war Mitte der 90er Jahre, erinnert er sich. Da lief er eines Tages allein durch den Calmont, mit über 65 Prozent Hangneigung der steilste Weinberg Europas. Er schaute auf die Mosel und ins weite Land. „Da hat es klick gemacht.“

Ein Ort mit „Stuhlgang“

Wer einmal in Ediger-Eller war, kommt gerne wieder. Der Ort zwischen Cochem und Zell besticht durch lauschige Gassen, wunderschön hergerichtete alte Fachwerkhäuser, gastronomische Gaumenfreuden und nicht zuletzt durch entspannte, lebenslustige Menschen. Gäste können sich davon ein Bild machen zum Beispiel in Glorys Kneipe oder beim alljährlichen „Stuhlgang“ im August. Das hat überhaupt nichts mit dem „großen Geschäft“ zu tun. Jeder bringt Essen und Trinken mit und eben einen Stuhl. Dann wird in den Gassen gefeiert und eine Musikkapelle zieht durchs Dorf. Das gibt’s nur in „Edschara“.

Ein Amerikaner in Polen

Okay, das ist jetzt aus deutscher Sicht schon eine Verlängerung vor dem Anpfiff. Aber auch unser sportlicher Gegner soll gewürdigt werden. Die EU hat 2005 Polen als Weinland anerkannt, jedoch betreiben nur wenige Winzer in großem Stil den Weinanbau und Weinverkauf, dessen Ab und Auf in der Vergangenheit eng mit politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden war. Der Südwesten des Landes, das ehemalige Schlesien, hat seine Weinbau-Tradition bewahrt und viel Neues aufgebaut. Kein Weg vorbei führt am Weingut Adoria in Zachowice, südlich von Wroclaw/Breslau. Hier macht seit Jahren ein Amerikaner von sich reden.

Adoria-Weine aus Polen.

Adoria-Weine aus Polen.

Mike Whitney beliefert die polnische Spitzengastronomie mit seinen Weinen und räumte bei der International Wine Challenge London 2016 Preise ab. In Kalifornien geboren, schlug er 1995 Wurzeln in Polen. Der Liebe wegen. „Eineinhalb Jahre und 300 verworfene Standorte später“ hat er den richtigen Ort gefunden. In Zachowice ermöglicht das Klima Weinanbau. Hier gedeihen Chardonnay, Pinot Noir, Riesling und Bacchus. Nicht wie von Zauberhand, sondern durch harte Arbeit. Der Amerikaner in Polen hat Witz. In einem Interview für Deutschlandradio Kultur sagte er einmal: „Ein Wunder wäre es, wenn wir hier in Polen Palmen und Olivenbäume anpflanzen könnten. Das wäre wirklich ein Wunder. Aber Riesling, ne, das kriegen wir hin.!“
Fußball auch…?

Fotos: Weingut Göbel, Adoria Vineyards Fotos

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