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Wunderschön: Blick vom Roten Hang auf den Rhein.

Orbel, Oelberg, Hipping – aus den Weinbergs-Lagen vom Roten Hang zaubert Lisa Bunn wunderbare Rieslinge. Für mich zählen sie zu den besten, die Deutschland zu bieten hat. Winzerin Lisa Bunn und ihr Mann Bastian haben von Nierstein am Rhein aus die Weinwelt erobert. Kurz vor der Messe „Pro Wein“, die am Sonntag in Düsseldorf beginnt, ein kleiner Rückblick auf das Jahr 2017 nebst Liebeserklärung an den Roten Hang.

Weinbegleiter Ruhr: Ihr seid bei der Pro Wein 2018 wieder mit einem Stand im Rheinhessen-Pavillon vertreten. Was erwartet Besucher?
Lisa Bunn: Unser Schwerpunkt sind Rieslinge. Dabei haben wir eine große Bandbreite von einerseits sehr warmen Lagen aus Nierstein vom Roten Hang. Das sind sehr mineralische Rieslinge, die auf sehr kargen Böden gewachsen sind und dadurch mit einer sehr konzentrierten Frucht aufwarten. Dann haben wir andererseits das komplette Gegenteil mit den Lagen meines Mannes in Wintersheim mit eher fruchtbaren Löss-Lehm-Böden. Wo man dann einfach sieht, was Riesling auch sein kann: Also ’ne Fruchtbombe mit Pfirsich, Maracuja.

Kurz ein Rückblick auf das turbulente Winzer-Jahr 2017. Wie habt ihr es erlebt?
Lisa Bunn: Das war so ein verrücktes Jahr. Wir haben angefangen im Januar mit wochenlangen Minustemperaturen, wo wir froh waren, dass dennoch alles sehr, sehr ruhig verlaufen ist. Dann wurde es relativ früh warm und es folgte ein früher Austrieb.

Dann kam im April der Frost…
Lisa Bunn: Genau. Die Spätfröste mit Ertragseinbußen.

Wie ging es weiter?
Darauf folgte ’ne ziemlich lange, sehr trockene Periode. Was zur Folge hatte, dass die Fruchtansätze sehr klein waren. Die Rebe merkt, sie hat eine geringe Wasserversorgung, also hält sie auch ihre Leistung zurück. Und dann kam der Sommer 2017, es war pitsch-patsch nass, es hat geregnet ohne Ende. Da hätte sie also doch mehr Leistung bringen können – hätte sie das gewusst, die arme Rebe…
Dann hatten wir das Glück, dass ab Anfang September die Sonne raus kam. Und für alle, die Geduld hatten und nicht direkt Anfang September alles weggelesen hatten, kamen drei Wochen Sonne mit warmen Temperaturen, die einfach dafür sorgten, dass wir nochmal einen Tick mehr an Reife bekamen.
Und: Wir haben nicht so ein Jahr, in dem jetzt der Alkohol unglaublich hoch ist und die Säure unheimlich niedrig. Sondern es ist so ein typisches, eher traditionell deutsches Jahr, wo man Weine hat mit einem moderaten Alkohol, mit einer knackigen Säure.

Und privat ging es auch rund mit der Geburt eures Sohnes Theo.
Lisa Bunn
: Wir hatten unsere erste Füllung für das Jahr angesetzt. Wir haben eigentlich gedacht, wir füllen vorher ab und haben halt genug Zeit, um uns auf die Geburt und Alles vorzubereiten. Und dann: Theo ist drei Wochen zu früh gekommen Und am selben Tag, 26.1., haben wir bei uns 26 000 Flaschen Wein abgefüllt.

Begannen die Wehen bei der Abfüllung?
Lisa Bunn: Nee, nee, in der Füllvorbereitung. Also wir haben am Tag vorher noch Schwefel eingestellt, geprüft, ob genug Flaschen und Verschlüsse da und die Tanks in Ordnung sind. Da merkte ich dann: Es kündigt sich was an. Ich habe die ganze Nacht gehofft: Vielleicht hört das wieder auf oder es ist nur ein ‚Hallo, ich bin bald da!‘ Aber es war dann ein: ‚Hallo, ich will raus!‘

Wie hat sich für dich als Winzerin das Leben verändert mit einem Kind?
Lisa Bunn: Völlig. Ich habe das Glück, dass meine Mutter und meine Schwiegermutter beide sehr engagiert sind und auch den Theo einfach genommen haben in Stoßzeiten wie Herbst oder in der Füllvorbereitung. Immer wenn’s brennt, habe ich jemanden, der nach ihm gucken kann.
Und: Die ganzen Arbeitsabläufe sind jetzt so, dass wir schon vorausschauend vorgehen. Also, bisher haben wir gepflanzt und geplant, weil es in unser Sortiment passt. Aber eigentlich pflanzt man einen Weinberg, um schon für die nächste Generation zu planen. Denn der Weinberg steht ja 30 Jahre. Und jetzt denken wir: Hmm, kann der Theo mal was mit Sauvignon Blanc anfangen?  Oder ist er eher der Riesling-Typ? Wir wollen ihm ja auch nicht irgendwas aufzwingen, aber es muss ja so funktionieren, dass es später auch Sinn macht.

Lisa Bunn: Roter Hang ist Heimat

Der Rote Hang ist eine der besten Lagen in Deutschland, ihr habt dort Weinberge. Was ist für dich das Besondere am Roten Hang?
Lisa Bunn: Für mich ist der Rote Hang Heimat. Und Herkunft unserer besten Rieslinge.
Das ist auch unsere Visitenkarte. Es gibt in Rheinhessen natürlich unheimlich viele Winzer, die tolle Weine machen. Gerade in unserer Generation der Winzer. Ich weiß: Überall sind die Ansprüche hoch an sich selbst, einen tollen Wein zu machen.
Aber es ist halt einfach nochmal ein Unterschied, wo die Trauben wachsen, wie der Boden beschaffen ist, wie die Ausrichtung ist. Hier am Roten Hang haben wir einfach eine einzigartige Situation, die in jedem Jahr schmeckbar ist. Und die sich grundsätzlich vom restlichen Rheinhessen unterscheidet. Es macht uns stolz, dass wir das so direkt erleben können. Dass man dieses Geschmackserlebnis wirklich so eindeutig hat.

Was genau ist dieses Eindeutige?
Lisa Bunn:  Die Rieslinge vom Roten Hang sind sehr viel mineralischer als andere. Wir haben so eine gewisse Salzigkeit mit drin, eine Würze. Wenn  man riecht, hat man beim Standard-Riesling sehr viel Frucht Pfirsich, Aprikose, ein bisschen Apfel und Birne. Aber bei den Rieslingen vom Roten Hang geht es um ein ganz anderes Aromen-Spektrum. Da hat man eher was Würziges, manchmal kommt Lavendel raus, manchmal kommen kräutrige Noten hinzu, manchmal fast etwas Rotbeeriges, ein bisschen wie Johannisbeere. Aber eher so, als würde man an den Blättern riechen. Also es ist anders, und das macht das Besondere aus.

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